„Grand Prix“ von Martin Walker

Es gibt Sommerweine, es gibt Sommersalate, warum also nicht auch Sommerkrimis. Kriminalromane, die sich locker auf dem Liegestuhl oder am Strand lesen lassen, ohne die Befürchtung haben zu müsen,vor lauter Grusel, Serienmördern oder Gewaltorgien in der Sonne Gänsehaut zu bekommen. Krimis also wie “Grand Prix”. Der neunte Fall für Benoit Courrèges, den Chef de police in Saint-Denis im malerischen Périgord in Südfrankreich. Benoit nennt ihn hier niemand, Benoit Courrèges ist für alle Bruno. Und Bruno ist ein Mann für alle Fälle.
Er ist die rechte Hand des Bürgermeisters, der offensichtlich keine Entscheidung trifft, die er nicht mit Bruno abgeklärt hat, Bruno organisiert Oldtimerrennen und die dazugehörige Tombola gleich mit und springt wenn Not am Mann ist, sogar als Beifahrer bei der Oldtimerrallye ein, er löst Ladendiebstähle, erweist sich als geschickter Jugendsozialarbeiter, schlichtet Familienstreitigkeiten, pflanzt sein eigenes Gemüse, kocht gerne, ist ein Weinkenner und muss sich doch immer wieder um Gewaltverbrechen kümmern, die auch im beschaulichen Saint-Denis nicht nur nicht ausbleiben, sondern stets auch internationale Dimensionen annehmen.
Während gerade die Gewinner der Tombola ermittelt werden, wird Bruno zu einer Leiche gerufen. Henri-Pierre Hugot. Forscher und Lokalhistoriker, wurde tot in seiner Wohnung aufgefunden. Bruno hat Zweifel, ob er eines natürlichen Todes starb, will wissen, in wessen Auftrag Hugot zuletzt Forschungen angestellt hat. Auch die Oldtimer-Rallye beschäftigt Bruno, hat sie doch zwei junge, besessene Auto-Sammler ins Städtchen geführt. Beide sind auf der Jagd nach einem der begehrtesten und wertvollsten Autos, das es je gab: dem Bugatti Typ 57 SC Atlantic, von dem überhaupt nur vier Exemplare gebaut wurden. Die Spur eines dieser vier Exemplare verlor sich in den Wirren des zweiten Weltkriegs im Périgord. Als einer der beiden fanatischen Sammler tot im Swimmingpool treibt, nehmen die Ereignisse Fahrt auf, nicht zuletzt weil die Jagd nach internationalen Geldwäschern Commissaire Isabelle Perrault wieder nach Saint-Denis führt, dorthin, wo sie einst Bruno das Herz brach und noch immer ein wenig bricht, auch wenn sich der Charmeur gerade frisch in Martine verliebt.

Für ausreichend Verwicklungen hat Martin Walker auch im neunten Fall für Bruno wieder gesorgt. “Grand Prix” liest sich, wie seine acht Vorgänger locker, leicht und ist auch dieses Mal weit davon entfernt, nur seichte Sommerlektüre zu sein. Denn auch diesmal gelingt es dem schottischen Autor, von Hause aus Historiker und Journalist mit einer Vorliebe für die französische Resistance, dieses Kapitel realer französischer Geschichte in Brunos fiktive (Roman)-Ermittlungen einfließen zu lassen.

Martin Walker: Grand Prix, 384 Seiten, Diogenes

Roland Heinrich, Leser

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